Onlinedienst der Feuerwehr Hoiersdorf – Bericht der Braunschweiger Zeitung

Die Feuerwehr Hoiersdorf bestreitet seit dem 10.04.2020 ihre Ausbildungsdienste online. Somit genau ein Jahr. Auch die Jugendfeuerwehr ist seit dem 20.04.2020 mit sehr großem Eifer online dabei.

Ob Einsatzabteilung oder Jugendfeuerwehr, die Onlinedienste sind immer sehr gut besucht.

Hierzu der sehr schöne und informative Bericht der Braunschweiger Zeitung, vom 09.04.2021 (online), von Herrn Markus Brich.


Wehr Hoiersdorf trotzt Corona

Ein Jahr Dienst unter Pandemie-Bedingungen und dann noch ein Fahrzeugwechsel.

Hoiersdorf Geht es um die Rettung von Menschenleben, muss jeder Handgriff sitzen. Doch wie kann das trainiert werden, wenn Übungseinheiten und Ausbildungsdienste wegen Corona nicht stattfinden dürfen? Eine Frage, für die alle Freiwilligen in den Feuerwehren des Landkreises Helmstedt eine Lösung entwickeln mussten. Welche Antwort die Ortswehr Hoiersdorf darauf gefunden hat, die mitten in der Pandemie auch noch ihr Löschfahrzeug wechseln musste, schildern Ortsbrandmeister Michael Lange (49) und Technikbeauftragter Björn Kiehne (31).

„Heute vor einem Jahr, nach dem Corona-Lockdown im März 2020, nach einem Monat ohne Dienstausbildung sagten wir uns: So kann das nicht weitergehen“, blickt der Ortsbrandmeister zurück. Zum Glück verfügt die Hoiersdorfer Wehr mit Informatik-Ingenieur Björn Kiehne über einen ausgewiesenen IT-Experten in den eigenen Reihen. Und der richtete flugs einen eigenen Server für die Kameradinnen und Kameraden ein, so dass zunächst einmal die Theorie-Ausbildung per Video-Konferenz stattfinden konnte, selbstredend konform der Datenschutz-Grundverordnung.

„Das Gerätehaus durften wir zu dieser Zeit ja nicht einmal betreten“, sagt Kiehne. „Weil es schnell gehen musste, haben wir uns am Anfang mit Power-Point-Präsentationen beholfen.“ Zunächst fanden die digitalen Übungsabende alle 14 Tage statt, gingen dann sogar in einen wöchentlichen Rhythmus über.

Doch auf Dauer werden auch Power-Point-Vorträge ermüdend. Also organisierten Lange und Kiehne Liveschaltungen aus dem Feuerwehrhaus. Per Handy-Kamera vermittelten sie Gerätekunde direkt aus dem Löschfahrzeug. „Wo liegt was? Wie gehen wir damit um?“, beschreibt Lange die Ausbildungsinhalte. Das kam gut an bei den Kameraden: In der Spitze verzeichnete Lange eine Dienstbeteiligung von 80 Prozent der 27 aktiven Feuerwehrleute. „Im Schnitt waren immer rund 50 Prozent dabei, alle haben so im vergangenen Jahr ihre Mindestdienstzeit von 40 Stunden pro Jahr erreicht.“

Zum Erfolg der digitalen Schulungen trug auch ein weiteres Format bei, das die Hoiersdorfer ersannen: „Wir haben kurze Filme gedreht, in denen wir zum Beispiel an einem VW ID.3 demonstrieren, worauf bei Unfällen mit solchen E-Modellen besonders zu achten ist, oder erklären per Videoclip die Handhabung eines mobilen Rauchvorhangs“, berichtet der Ortsbrandmeister.

Eine besondere Herausforderung an die Hoiersdorfer Wehr stellte zudem ein Fahrzeugwechsel mitten in der Pandemie. „Unser altes Löschfahrzeug musste aus wirtschaftlichen Gründen außer Dienst gestellt werden. Bis zur Neuanschaffung haben wir ein ebenfalls rund 20 Jahre altes Reservefahrzeug erhalten“, erklärt Kiehne. Gemeinsam mit dem hauptamtlichen Gerätewart der Feuerwehr Schöningen hat der 31-Jährige es in seinem Urlaub auf die Erfordernisse der Hoiersdorfer Wehr umgebaut und angepasst.

„Die erste Einweisung der Kameraden ins neue Fahrzeug konnten wir im Oktober gerade noch in der Praxis vornehmen, bevor es dann in den neuerlichen Lockdown ging“, berichtet der Technikbeauftragte. So wurden auch die Details des neuen Altfahrzeugs in vielen Erklärvideos vorgestellt: „Wenn sich die Kameraden nachts während der Anfahrt zum Einsatzort im Fahrzeug das Gerät anlegen müssen, ist es wichtig, sofort zu wissen, wo sich die Funkgeräte befinden“, verdeutlicht Ortsbrandmeister Lange.

Dem Engagement der Hoiersdorfer Feuerwehrleute zollt Lange Respekt: „Ich bin mächtig stolz, dass die Truppe trotz Corona so engagiert am Ball bleibt.“ Dennoch räumt er ein: „Natürlich können Livestreams und Videos auf Dauer nicht das Gemeinschaftsgefühl ersetzen, selbst wenn sich zu den digitalen Treffen sogar die Altersabteilung zuschaltet und sich auch schon die Jugendwehr diese Technik nutzt.“ Deshalb plane die Wehr bereits jetzt wieder das traditionelle Tränkefest sowie eine Dorfrallye für die Kinderfeuerwehr, die am 11. Juni ihr zehnjähriges Bestehen feierte. „Denn gerade solche Feste eignen sich besonders für das Werben neuer Mitglieder. Das ist per Internet nur schwer möglich.“


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